Expertengespräch mit Mario Matt

 

Kurz vor seiner ersten Olympischen Goldmedaille hatte ich noch die Möglichkeit ein Gespräch mit Mario Matt zu führen. Die Olympischen Spiele in Sotchi waren bereits in vollem Gang, Mario hat sich aber noch zu Hause in Tirol auf sein Rennen vorbereitet. Mario Matt ist einer der erfolgreichsten Slalomfahrer Österreichs. „Der erste Weltcup-Sieg ist immer etwas ganz Besonderes, damals mit 20 Jahren und Startnummer 47 Kitzbühel gewonnen. Das ist schon etwas ganz Besonderes! Weltmeister zu Hause in St. Anton war auch einzigartig! Aber dann durch die Verletzungen und die schwere Phase, 2007 den Weltmeistertitel zu wiederholen würde ich sportlich fast am höchsten einstufen.“ In Sotchi hat sich Mario dann noch zur Krönung seine olympische Goldmedaille geholt.

Auch Mario baut seine Erfolge stark auf seinem Selbstvertrauen auf. „Ich glaube einfach das es wichtig ist, das man locker bleibt und an sich glaubt natürlich. Das ist das Um und Auf! (…) Ich versuche mich auf das zu konzentrieren was ich drauf habe, ich weiß wenn mir 2 Läufe gelingen kann ich jederzeit ein Rennen gewinnen. Auf diese Stärken muss man dann am Ende vertrauen.“ Auch während seiner Rückschläge war er sich immer seiner Fähigkeiten sicher. „Ich habe die Gründe gewusst warum es damals nicht funktioniert hat. Ich hatte Probleme mit der Materialabstimmung. Ich habe selber immer gewusst, wenn alles zusammen passt, das es nach wie vor möglich ist ganz vorne mitzufahren.“ Trotzdem kennt auch ein Mario Matt Zeiten des Zweifels und der Unsicherheit. „Das hat glaube ich jeder einmal, solche Phasen, wo man ein bisschen grübelt oder negative Gedanken kommen. Mann muss versuchen das wieder beiseite zu schieben und sich auf seine Stärken zu konzentrieren und sein Ding zu machen.“

Bei seiner Vorbereitung auf den Olympischen Slalom setzt Mario auf Routine. „Skifahrerisch ist es für mich wichtig, mich gleich vorzubereiten wie auf jedes andere Rennen auch. Das ich jetzt da keinen Unterschied mache und auch nicht glaube, dass ich da jetzt irgendetwas Spezielles oder ganz Besonderes machen muss, nur weil es jetzt eben Olympia oder ein Großereignis ist. Einfach das Gleiche machen wie immer. Das man schon jetzt rein Skifahrerisch das normale Training macht, aber nicht zu viel. Das man das Gefühl hat, das alles passt und ich mich wohl fühle, das ist natürlich immer das Um und Auf. Das man einfach versucht sich zu konzentrieren und die Dinge abruft, wie man das sonst auch macht.“

Egal ob bei der Vorbereitung auf Olympia oder während der Skisaison. Mario nimmt sich bewusst Ruhepausen und versucht eine ausgeglichene Erholungs-Belastungssteuerung zu gewährleisten. Nach einem Rennwochenende erholt er sich  an 2 trainingsfreien Tagen und versucht auch den Freitag vor einem Rennwochenende trainingsfrei zu halten. „Am Samstag dann noch einmal ein paar Läufe für das Gefühl, um dann am Sonntag frisch zu sein für das Rennen.“ Während der Saison absolviert Mario zusätzlich noch einmal pro Woche ein Krafttraining. „Das war es dann auch. Man steht ja doch meistens auf den Skiern, da braucht man dann zusätzlich nicht mehr so viel.“

Obwohl Mario direkt nach der Skihandelsschule in Stams Vollzeit mit dem Skisport begonnen hat, hat er sich im Laufe der Jahre mit seinem Gestüt und seiner Après-Ski Bar eine Zukunft neben und nach dem Sport aufgebaut, auf die er sich auch freut. Da er nur in einer Disziplin im Weltcup am Start ist, bieten im seine Geschäftsbereiche auch die Möglichkeit rennfreie Zeiten sinnvoll zu nutzen. Sein Gestüt ist dabei eine Herzensangelegenheit. „Ich bin schon sehr viel bei meinen Pferden. Es ist jeden Tag ein Muss! Ich schaue jeden Tag wenn auch manchmal nur kurz vorbei, ob alles ok ist. Die Pferde sind ein sehr wichtiger Teil in meinem Leben, der mir auch sehr viel Spaß macht.“

 

Mario ist ein Kämpfer. In seiner über 15jährigen Karriere im internationalen Skisport hat er sich mehrmals wieder von ganz unten nach ganz oben gekämpft, nach schweren Verletzungen und Problemen mit dem Material. „Ja, ich bin glaube ich von Natur aus ein großer Kämpfer. (…) Da muss man schon den ganzen Mut und das kämpferische Herz in die Hand nehmen, das das auch wirklich funktioniert. Es ist nicht immer so einfach. (…) Es ist im Skifahren oft so, dass Erfolg und Niederlage sehr sehr knapp beisammen liegen. Man kann alles richtig machen und super in Form sein, aber wenn man das letzte Glück nicht hat, muss sich das nicht in der Ergebnisliste widerspiegeln. Es muss ein komplettes Paket zusammenpassen und am Schluss einfach noch das Glück auf der richtigen Seite stehen.“ Das perfekte Paket und das Glück auf der richtigen Seite hatte Mario bei seiner letzten Olympiade in Sotchi. Meine tiefgreifende Anerkennung für alle seine Leistungen gilt diesem außergewöhnlichem Sportler!