Expertengespräch mit Porsche Werksfahrer Wolf Henzler

 

Kurz vor der Abreise zum den 12h von Sebring in den USA hatte ich noch die Möglichkeit zu einem Interview mit Wolf Henzler. Nach Siegen im Porsche Michelin Supercup, im Porsche Carrera Cup Deutschland, in der Speed World Challenge, in der American Le Mans Series und in der Grand-Am Series ist Wolf Henzler seit 2008 Werksfahrer für Porsche. Er startet seither in der American Le Mans Series im Sportwagen auf der Langstrecke, welche er auch gleich im ersten Jahr mit Porsche gewonnen hat. Zu seinen größten Erfolgen bisher zählen der Gesamtsieg 24h Spa, 2-facher Klassensieg der 24h Daytona, Klassensieg 24h Le Mans, Klassensieg Petit Le Mans und Klassensieg 12h Sebring. Auch im Jahr 2014 startet er wieder in der höchsten amerikanischen Sportwagenserie, der Tudor United SportsCar Championship, die aus einem Zusammenschluss der American Le Mans Series und der Rolex Sports Car Series entstanden ist.

Wolf ist ein Rennfahrer, den sein Kampfgeist auf der Strecke auszeichnet. Er bezeichnet es als „Biss“, den jeder Rennfahrer braucht um schnell zu sein. „Wenn man jetzt im Rennen fährt und weiter vor mir ein Konkurrent ist, dann braucht man den Biss, den Kampfgeist. Das gehört natürlich auch dazu und ist wirklich sehr sehr wichtig. (…) Es ist das was ich will – um Positionen kämpfen. Ich würde auch sagen, solange ein Rennfahrer den Biss hat, ist alles gut. Aber wenn er den Biss verliert, wird er abbauen und langsamer werden. Der Biss ist einfach sehr wichtig.“ Wolf hat in vielen Rennrunden gelernt Rückschlägen, eigene Fehler und Fehler von anderen zu nutzen um sich selbst zu motivieren und anzutreiben. Denn in seinem Beruf gehört das alles einfach dazu. „Also bei eigenen Fehlern ärgere ich mich natürlich wenn ich z.B. einen Dreher hatte. Ich versuche dann immer das wieder wett zu machen. (…) Dann hat man einfach nur Pech und steckt im Verkehr fest und ein direkter Konkurrent überholt mich. Dann ärgere ich mich natürlich ein bisschen, aber das spornt mich dann auch an, ihn wieder zurück zu überholen.“ Aber wenn er sich wirklich ärgert, ist es manchmal auch ganz gut, dass das Team nicht alles aus dem Auto mithört. Wolf mag auf der Rennstrecke den Wettkampf und hat Spaß am Kampf meinen seinen Gegnern.

Wolf Henzler versteht unter Mentale Stärke die Fähigkeit sich auf die Wesentlichen Dinge zu konzentrieren und seine Leistung abzurufen. Dafür braucht es einen freien Kopf. Im Gegensatz zu manchen seiner Kollegen, würden ihn Routinen oder Rituale vom Wesentlichen ablenken. „Mich würde es mehr ablenken, wenn ich jetzt versuchen müsste mich in eine Ecke zu setzen und mich keiner mehr ansprechen dürfte. Der Typ bin ich einfach nicht. Es wäre für mich dann schwieriger ins Rennen zu gehen, weil ich mir dann zu viele Gedanken machen müsste. Ich möchte einfach frei sein im Kopf, ins Rennen gehen und schauen was auf mich zukommt, um dann Situationsbedingt zu entscheiden.“ Was ihm aber wichtig ist, ist keine Hektik vor dem Start zu bekommen. Er ist immer rechtzeitig fertig, richtet sich aber nicht nach einem konkreten Zeitplan. Er möchte einfach authentisch sein, und sich nicht verstellen müssen.

Konzentration kommt bei ihm spätestes wenn er im Auto sitzt. Im Vergleich zu z.B. Skisport, gibt es im Motorsport auch immer die Möglichkeit sich einzustellen und an das Optimum hinzuarbeiten. Es gibt nicht nur einen Lauf, der von der ersten Sekunde an passen muss. Es gibt die Einführungsrunde, dann technische Gegebenheiten wie zu kalte Reifen etc. die immer die Möglichkeit für Verbesserungen offen lassen und oft sogar voraussetzen. „Sobald ich mit dem Auto losfahre bin ich konzentriert, muss aber nicht sofort meine Bestleistung bringen.“ Und gerade Langstreckenrennen werden ja nicht in einer Runde entschieden.

Auch wenn Wolf Henzler nach Tausenden von Renn- und Testrunden auf einen sehr reichen Erfahrungsschatz zurückgreifen kann, weiß auch er, dass eine sehr wichtige Ressource im Langstreckenmotorsport der Teamkollege ist. „Wir fahren ja meistens zu Zweit. Der Teamkollege übernimmt da dann schon auch eine wichtige Rolle.